CMYK oder RGB: Welcher Farbmodus ist der richtige für den Druck?
Für den Offsetdruck und den Großteil des Digitaldrucks legen Sie Ihre Datei in CMYK an, und zwar mit dem ICC-Profil, das Ihre Druckerei vorgibt (für gestrichenes Papier meist FOGRA39 oder FOGRA51). Dazu kommen 300 DPI im Maßstab 1:1, 3 mm Beschnitt und ein Gesamtfarbauftrag von höchstens 300–330 %. RGB, idealerweise sRGB, ist für Bildschirme gedacht: Posts mit 1080×1080 px, Storys mit 1080×1920 px und Webbanner. Manche Großformat- und UV-Druckereien nehmen RGB-Daten an und konvertieren die Farben selbst im RIP. Fragen Sie aber immer nach, bevor Sie die Datei schicken.
Am Monitor sieht der Entwurf großartig aus, doch im Druck wird das Blau lila und das Neongrün erinnert eher an Oliv. Das liegt nicht an der Druckerei, sondern am Unterschied zwischen dem Licht eines Bildschirms und Farbe auf Papier. In diesem Ratgeber erkläre ich, worin sich CMYK und RGB unterscheiden, welche Farben im Druck Probleme bereiten und wie Sie das passende ICC-Profil wählen. Außerdem erfahren Sie, wann Sie eine Datei bedenkenlos in RGB belassen können.
Worin unterscheiden sich CMYK und RGB?
RGB ist ein additives Farbmodell. Die Farben entstehen durch die Mischung von rotem, grünem und blauem Licht, und alle drei zusammen ergeben Weiß. So funktioniert jeder Monitor, jedes Smartphone und jeder Fernseher. CMYK ist ein subtraktives Farbmodell. Die Druckfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz schlucken einen Teil des Lichts, das vom Bedruckstoff reflektiert wird. Je mehr Farbe aufgetragen wird, desto dunkler wird das Ergebnis.
Der wichtigste Unterschied in der Praxis ist der Farbumfang, auch Gamut genannt: also die Menge der Farben, die sich überhaupt wiedergeben lassen. Der RGB-Farbraum ist deutlich größer, vor allem bei hellen Grüntönen, kräftigem Blau, Orange und Violett. Jede Farbe außerhalb des CMYK-Farbraums wird bei der Konvertierung durch die nächstmögliche ersetzt, und die ist meist stumpfer.
| Merkmal | RGB | CMYK |
|---|---|---|
| Farbentstehung | Mischung von Licht (additiv) | Mischung von Druckfarben (subtraktiv) |
| Kanäle | R, G, B (0–255) | C, M, Y, K (0–100 %) |
| Farbumfang | Groß, sehr gesättigte Farben | Kleiner, abhängig von Papier und Maschine |
| Einsatz | Bildschirme, Social Media, Websites | Offset- und Digitaldruck |
| Typisches Profil | sRGB, Adobe RGB | FOGRA39, FOGRA51, FOGRA52 |
| Auflösung | In Pixeln, z. B. 1080×1080 px | In DPI, meist 300 DPI im Maßstab 1:1 |
Warum sehen Farben im Druck anders aus als am Bildschirm?
Ein Monitor leuchtet selbst, ein Druck reflektiert dagegen nur das Umgebungslicht. Deshalb wirkt selbst eine perfekt vorbereitete CMYK-Datei auf Papier weniger leuchtend als auf dem hinterleuchteten Bildschirm, besonders im Büro bei schwacher Beleuchtung. Hinzu kommt die Kalibrierung: Ein nicht kalibrierter Bildschirm, vor allem bei Laptops und Smartphones, gibt Sättigung und Helligkeit oft verfälscht wieder.
Der zweite Grund ist der Bedruckstoff. Dieselbe Datei sieht auf gestrichenem Bilderdruckpapier, auf ungestrichenem Offsetpapier und auf PVC-Banner jeweils anders aus. Ungestrichenes Papier saugt die Farbe auf, die Farben werden dunkler und weniger gesättigt. Der dritte Grund ist die Konvertierung: Wenn Sie RGB schicken und die Druckerei oder der Druckertreiber automatisch nach CMYK umwandelt, entscheiden nicht Sie, wie mit Farben außerhalb des Farbraums umgegangen wird.
- Aktivieren Sie in Ihrem Grafikprogramm den Softproof für CMYK mit dem Profil der Druckerei.
- Beurteilen Sie Farben an einem kalibrierten Monitor mit einer auf ca. 100–120 cd/m² reduzierten Helligkeit und nicht auf dem Smartphone.
- Bestellen Sie bei wichtigen Auflagen einen Proof oder einen Andruck auf dem tatsächlichen Bedruckstoff.
Welche Farben lassen sich in CMYK nur schwer drucken?
Das Problem betrifft vor allem Farben, die zugleich sehr gesättigt und sehr hell sind. Ein klassisches Beispiel ist reines RGB-Blau 0/0/255. Bei der Konvertierung bekommt es viel Magenta ab und wirkt im Druck lila. Ähnlich verlieren Neongrün, Pink und Orange ihr „Leuchten“, denn keine Kombination der vier Prozessfarben kann Fluoreszenz erzeugen.
Ist eine Farbe für Ihre Marke entscheidend, haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder wählen Sie die nächstliegende erreichbare CMYK-Entsprechung und akzeptieren sie bewusst, oder Sie drucken mit einer Sonderfarbe (Schmuckfarbe), etwa aus dem Pantone-Fächer. Die fluoreszierenden Pantone-Farben (Serie 801–814) gibt es im Offset- und im Siebdruck, aber nicht in jedem Digitaldruckverfahren. Fragen Sie also bei der Druckerei nach, bevor Sie ein Neonplakat gestalten.
- Neonfarben (Grün, Pink, Gelb, Orange): In CMYK werden sie immer stumpfer. Abhilfe schaffen fluoreszierende Druckfarben oder ein starker Kontrast zu einem dunklen Hintergrund.
- Kräftiges Blau: Statt RGB 0/0/255 stellen Sie z. B. C100 M70 Y0 K0 ein. Bringen Sie Magenta nicht in die Nähe des Cyan-Werts, sonst kippt die Farbe ins Violett.
- Leuchtendes Grün: Halten Sie Magenta auf 0 % und mischen Sie Cyan und Gelb ohne Schwarz, sonst wirkt die Farbe schmutzig.
- Tiefes Violett und Türkis: Prüfen Sie diese Farben im CMYK-Softproof, denn hier sind die Abweichungen oft am größten.
- Große schwarze Flächen: Verwenden Sie ein Tiefschwarz, z. B. C60 M40 Y40 K100, und nicht nur K100, das gräulich wirkt.
- Kleine Schrift und feine Linien: ausschließlich K100, denn ein Schwarz aus vier Farben erzeugt schon bei minimalem Passerversatz farbige Säume.
ICC-Profil: Was ist das und welches sollten Sie wählen?
Ein ICC-Profil beschreibt, wie ein bestimmtes Druckverfahren auf einem bestimmten Bedruckstoff Farben wiedergibt. Das Grafikprogramm nutzt es für die Konvertierung von RGB nach CMYK, für den Softproof und für die Kontrolle des Gesamtfarbauftrags (TAC). Ein falsches Profil führt zu zu dunklen Schatten, verlaufender Farbe oder verfälschten Farbtönen.
Die Regel ist einfach: Das Profil gibt die Druckerei vor, nicht Sie. Steht es nicht in den Datenvorgaben, zeigt die folgende Übersicht die in Europa üblichen Einstellungen. Im Großformatdruck hat jede Maschine und jedes Material ein eigenes Profil, deshalb lohnt es sich dort besonders, nach den Vorgaben zu fragen.
| Bedruckstoff / Verfahren | Typisches ICC-Profil | Max. Gesamtfarbauftrag |
|---|---|---|
| Gestrichenes Papier (Bilderdruck) – Offset | ISO Coated v2 (FOGRA39) oder PSO Coated v3 (FOGRA51) | ca. 300–330 % |
| Ungestrichenes Papier (Offsetpapier) | PSO Uncoated v3 (FOGRA52) oder ISO Uncoated (FOGRA29) | ca. 260–300 % |
| Zeitungspapier | ISOnewspaper26v4 | ca. 240 % |
| Digitaldruck mit Toner | Meist FOGRA39 oder nach Vorgabe der Druckerei | nach Vorgabe der Druckerei |
| Großformat (Banner, Roll-up, UV) | Profil von Maschine und Material oder RGB nach Vorgabe der Druckerei | nach Vorgabe der Druckerei |
Wann ist RGB in Ordnung?
Alles, was nur auf einem Bildschirm erscheint, legen Sie in RGB an, genauer gesagt in sRGB. Das gilt für Posts (1080×1080 px), Storys (1080×1920 px), Webbanner (z. B. 2400×1200 px), Präsentationen und Newsletter. Eine CMYK-Datei im Internet kann mit verfälschten Farben angezeigt werden, weil Browser und Apps von sRGB ausgehen.
Auch im Druck wird RGB mitunter akzeptiert und manchmal sogar bevorzugt. Moderne UV-, Latex- und Solvent-Großformatmaschinen, oft mit zusätzlichen Druckfarben, haben einen größeren Farbumfang als der Offsetstandard, und der RIP der Druckerei konvertiert die Farben direkt für das jeweilige Material. Ähnlich erwarten Fotolabore in der Regel Bilder in sRGB. Das hängt jedoch von der Druckerei ab: Die eine möchte RGB, die andere CMYK mit FOGRA39. Prüfen Sie deshalb immer die Datenvorgaben.
- Social Media, Websites, E-Mail: immer sRGB.
- Fotoabzüge: meist sRGB, sofern das Labor nichts anderes angibt.
- UV-, Latex- und Solventdruck: RGB oder CMYK nach Vorgabe der Druckerei.
- Offset und der Großteil des kleinformatigen Digitaldrucks: CMYK mit dem Profil der Druckerei.
Wie konvertieren Sie eine Datei ohne böse Überraschungen von RGB nach CMYK?
Am sichersten ist es, bis zum Ende des Projekts in RGB zu arbeiten und erst beim Export einmalig mit dem richtigen Profil nach CMYK zu konvertieren. Mehrfaches Wechseln zwischen den Modi verschlechtert die Farben, weil jede Konvertierung den Farbumfang erneut beschneidet. Für Fotos eignet sich meist die perzeptive Umrechnung, für Grafiken mit Hausfarben die relativ farbmetrische Umrechnung mit Tiefenkompensierung.
Sehen Sie sich die Datei nach der Konvertierung im CMYK-Softproof an und korrigieren Sie Farben, die ihren Charakter verloren haben, von Hand. Exportieren Sie das PDF in dem Standard, den die Druckerei verlangt, meist PDF/X-1a (alles in CMYK) oder PDF/X-4 (erlaubt RGB und Transparenzen). Bestellen Sie einen fertigen Entwurf, zum Beispiel bei plakaty.shop (wielkareklama.eu studio), erhalten Sie eine PNG-Datei und ein druckfertiges PDF mit 3 mm Beschnitt. Vor dem Druck sollten Sie die Farben trotzdem mit den Vorgaben der Druckerei abgleichen und alle Texte selbst Korrektur lesen.
- Legen Sie das Zielprofil vor der Konvertierung fest, nicht danach.
- Prüfen Sie, ob schwarzer Text C0 M0 Y0 K100 hat und graue Schrift nur im K-Kanal angelegt ist.
- Messen Sie den Gesamtfarbauftrag an den dunkelsten Stellen und vergleichen Sie ihn mit dem Limit der Druckerei.
- Halten Sie Ihre Hausfarben im Corporate-Design-Handbuch in drei Varianten fest: RGB/HEX für den Bildschirm, CMYK für den Druck und Pantone, falls verwendet.
- Betten Sie in ein PDF keine Mischung verschiedener Profile ein, es sei denn, die Druckerei akzeptiert PDF/X-4.
Checkliste
- Sie haben in den Datenvorgaben der Druckerei geprüft, ob CMYK oder RGB gewünscht ist und welches ICC-Profil
- Die Druckdatei hat 300 DPI im Maßstab 1:1 und 3 mm Beschnitt
- Sie haben die Farben im CMYK-Softproof mit dem richtigen Profil geprüft
- Kräftige Blau- und Grüntöne sowie Neonfarben haben Sie nach der Konvertierung von Hand nachkorrigiert
- Kleine Schrift ist in reinem K100 angelegt, große schwarze Flächen in Tiefschwarz
- Der Gesamtfarbauftrag überschreitet nicht das Limit der Druckerei (meist 300–330 %)
- Das PDF ist im von der Druckerei vorgegebenen PDF/X-Standard exportiert
- Grafiken für Social Media sind separat in sRGB gespeichert
- Sie haben alle Texte, Telefonnummern und Adressen Korrektur gelesen
Häufige Fragen
Kann ich der Druckerei eine RGB-Datei schicken?
Viele Druckereien nehmen RGB an und konvertieren automatisch, doch dann haben Sie keinen Einfluss darauf, wie sich Farben außerhalb des Farbraums verändern. Im Offsetdruck ist CMYK mit dem Profil der Druckerei Standard. Im UV- oder Latex-Großformatdruck wird RGB teils akzeptiert oder sogar bevorzugt. Prüfen Sie daher die Datenvorgaben Ihrer Druckerei.
Warum ist mein Blau lila gedruckt worden?
Reines RGB-Blau 0/0/255 liegt außerhalb des CMYK-Farbraums und erhält bei der Konvertierung viel Magenta. Am Bildschirm sehen Sie das nicht, weil der Monitor leuchtet, während Druckfarbe das Licht nur reflektiert. Stellen Sie das Blau von Hand ein, z. B. auf C100 M70 Y0 K0, und prüfen Sie es im CMYK-Softproof.
Wie lässt sich eine Neonfarbe drucken?
Mit den vier CMYK-Farben lässt sich kein Fluoreszenzeffekt erzielen, die Farbe wirkt immer stumpfer. Echtes Neon erreichen Sie nur mit fluoreszierenden Druckfarben, etwa aus der Pantone-Serie 801–814, die vor allem im Offset- und Siebdruck verfügbar sind. Im Digitaldruck können Sie den Eindruck von Leuchtkraft mit einem dunklen, kontrastreichen Hintergrund verstärken.
Welches ICC-Profil sollte ich für den Flyerdruck wählen?
Für Flyer auf Bilderdruckpapier werden meist ISO Coated v2 (FOGRA39) oder PSO Coated v3 (FOGRA51) verwendet, für ungestrichenes Papier PSO Uncoated v3 (FOGRA52). Letztlich entscheidet die Druckerei, denn das Profil muss zu ihren Maschinen und ihrem Papier passen. Steht es nicht in den Datenvorgaben, fragen Sie vor der Konvertierung nach.
In welchem Farbmodus erstelle ich Grafiken für Instagram und Facebook?
Immer in RGB, am besten im Profil sRGB, denn so werden sie von Browsern und Apps dargestellt. Legen Sie einen quadratischen Post mit 1080×1080 px an, eine Story mit 1080×1920 px. Veröffentlichen Sie keine CMYK-Datei im Netz, da die Farben sonst falsch angezeigt werden können.
Reicht die Konvertierung von RGB nach CMYK in Canva oder einem Online-Tool aus?
Für einfache Drucksachen meist ja, doch solche Tools erlauben oft weder die Wahl des ICC-Profils noch die Kontrolle des Farbauftrags. Bei wichtigen Auflagen oder Hausfarben sollten Sie lieber ein PDF mit dem von der Druckerei vorgegebenen Profil erstellen und es im CMYK-Softproof prüfen. Bei großen Aufträgen lohnt sich außerdem ein Andruck.


