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Schriften für Werbung: Welche passen und wie kombiniert man sie?

Gestaltungsregeln8 Min. Lesezeit · Aktualisiert:

Arbeitstisch eines Grafikers mit ausgelegten Plakat- und Flyerdrucken in unterschiedlichen typografischen Layouts, im hellen Tageslicht.
Kurz gesagt

Wählen Sie für Fließtext und Kontaktdaten eine gut lesbare serifenlose Schrift (z. B. Montserrat, Roboto, Open Sans). Eine Serifen- oder Handschrift setzen Sie nur als Akzent in der Überschrift ein. Verwenden Sie insgesamt höchstens 2 Schriftarten. Bei Drucksachen, die aus der Nähe gelesen werden, sollte der Text auf der Visitenkarte nicht kleiner als 7 pt und auf dem Flyer nicht kleiner als 8–9 pt sein. Für Banner und Schilder rechnen Sie mindestens 2,5 cm Buchstabenhöhe pro 10 m Leseabstand, komfortabel sind 2,5 cm pro 3 m. Die Schrift muss außerdem vollständige Umlaute und das ß enthalten und für die kommerzielle Nutzung lizenziert sein, z. B. unter der OFL von Google Fonts.

Eine Schrift in der Werbung hat nur eine Aufgabe: die Botschaft zu vermitteln, bevor der Betrachter wegschaut. Einen Flyer liest man in der Hand, ein Plakat aus 2–3 Metern Entfernung und ein Bauzaunbanner aus dem fahrenden Auto. Jede dieser Situationen stellt andere Anforderungen an die Schrift. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Schriften für Werbung sich am besten eignen und wie Sie zwei Schriftarten ohne Durcheinander kombinieren. Außerdem zeigen wir, welche Schriftgrößen im Druck sinnvoll sind, wie Sie Umlaute und Sonderzeichen prüfen und worauf Sie bei Schriftlizenzen achten sollten.

Serif, serifenlos oder Handschrift: Welche Schrift für welche Werbung?

Serifenlose Schriften (Grotesk), etwa Montserrat, Roboto, Open Sans, Lato oder Source Sans 3, haben schlichte Buchstabenenden und eine gleichmäßige Strichstärke. Deshalb bleiben sie in kleinen Größen, auf Distanz und in Bewegung am besten lesbar. Für Fließtext, Preislisten, Telefonnummern und Adressen sind sie die sichere Wahl.

Serifenschriften wie Merriweather, Lora, PT Serif oder Playfair Display haben feine Abschlussstriche und wecken Assoziationen mit Tradition, Eleganz und Qualität. Sie wirken gut in Überschriften von Speisekarten, auf Einladungen, Urkunden und in der Werbung für Premium-Dienstleistungen. Hand- und Schreibschriften wie Caveat oder Dancing Script bringen Emotion ins Layout. Sie sind jedoch am schlechtesten lesbar und eignen sich daher nur für kurze Akzente.

SchriftartStärkenEinsatzbereichVermeiden
SerifenlosGute Lesbarkeit auf Distanz und in kleinen SchriftgradenFließtext, Kontaktdaten, Banner, Roll-ups, SchilderSehr dünne Schnitte (Thin, Light) in kleinen Größen
SerifEleganz, Prestige, angenehmes Lesen längerer Texte auf PapierÜberschriften, Speisekarten, Einladungen, UrkundenKontrastreiche Schriften (z. B. Didone/klassizistische Antiqua) in kleinen Größen und in Negativschrift
Hand- / SchreibschriftCharakter, Emotion, persönliche NoteEin bis drei Wörter: Slogan, Unterschrift, AkzentFließtext, Telefonnummern, Satz in Versalien

Schriften kombinieren: die Regel von höchstens zwei Schriftarten

Verwenden Sie in einem Werbemittel höchstens zwei Schriftarten: eine ausdrucksstarke für die Überschrift und eine neutrale für den übrigen Text. Eine dritte Schrift sorgt fast immer für visuelles Durcheinander und schwächt die Botschaft. Bauen Sie die Hierarchie über Größe, Strichstärke (Regular, Bold, Black) und Farbe auf, nicht über zusätzliche Fonts.

Zwei Schriften sollten sich deutlich unterscheiden. Zwei ähnliche serifenlose Schriften nebeneinander wirken wie ein Versehen, nicht wie Absicht. Am einfachsten ist eine Schriftfamilie mit vielen Schnitten, z. B. Montserrat Black in der Überschrift und Montserrat Regular im Fließtext.

Mindestschriftgrößen im Druck

Der Schriftgrad wird in typografischen Punkten angegeben (1 pt ≈ 0,353 mm), die tatsächliche Buchstabengröße hängt aber von der Schrift ab. Fonts mit großer x-Höhe (z. B. Open Sans, Roboto) wirken bei gleichem Schriftgrad größer als Schriften mit kleiner x-Höhe. Betrachten Sie die folgenden Werte deshalb als Minimum für eine typische serifenlose Schrift. Bei Serifen- und Handschriften rechnen Sie 1–2 pt hinzu.

Bei Negativschrift (helle Buchstaben auf dunklem Grund) wählen Sie einen kräftigeren Schnitt und gehen nicht unter 8 pt. Linien und Striche dünner als 0,25 pt können im Druck verschwinden. Das betrifft auch die Haarstriche sehr kontrastreicher Serifenschriften.

ProduktFließtext / DatenÜberschriftHinweise
Visitenkarte 85×55 mm (bzw. 90×50 mm)mind. 7 pt, empfohlen 8–9 pt11–16 ptBei 6 pt droht Unlesbarkeit, besonders in Negativschrift
Flyer A6 / DLmind. 8 pt, empfohlen 9–10 pt18–28 ptFußnoten und Teilnahmebedingungen mind. 6–7 pt
Flyer A5 / A4, Speisekarte9–12 pt24–48 ptPreise auf der Speisekarte können Sie fett statt größer hervorheben
Plakat A3mind. 14 pt60–100 ptWird aus ca. 1–2 m gelesen
Plakat A2 / A1mind. 18–24 pt100 pt und mehrDie Kernaussage muss aus 3 m und mehr erkennbar sein

Lesbarkeit auf Distanz: Welche Buchstabenhöhe für Banner, Roll-up und Schild?

Im Großformat zählt die Buchstabenhöhe in Zentimetern, nicht in Punkten. In der Schilderbranche gilt als Faustregel: Die Mindestlesbarkeit liegt bei etwa 2,5 cm Versalhöhe pro 10 m Abstand. Komfortabel lesbar wird es mit etwa 2,5 cm pro 3 m. Das Ergebnis hängt von Schrift, Strichstärke, Kontrast und Beleuchtung ab und davon, ob der Betrachter steht, geht oder fährt.

Beschränken Sie den Text auf einem Banner oder Schild auf 5–7 Wörter und eine Telefonnummer. Wählen Sie einen serifenlosen Bold- oder Semibold-Schnitt und vermeiden Sie Versalien bei längeren Slogans. Die Laufweite sollte etwas größer sein als auf dem Flyer. Den besten Kontrast liefert dunkler Text auf hellem Grund oder weiße Schrift auf sehr dunklem Hintergrund.

LeseabstandMindestlesbarkeitKomfortable BuchstabenhöheTypischer Werbeträger
3 mca. 1 cmca. 2,5 cmPlakat, Roll-up aus der Nähe
5 mca. 1,5 cmca. 4 cmRoll-up auf der Messe, Schaufenster
10 mca. 2,5 cmca. 8 cmSchild über dem Eingang, Banner an der Fassade
20 mca. 5 cmca. 17 cmBauzaunbanner an der Straße
50 mca. 12,5 cmca. 40 cmGroßes Banner an der Landstraße

Umlaute und Sonderzeichen: So prüfen Sie eine Schrift vor dem Entwurf

Viele kostenlose und dekorative Fonts enthalten kein ä, ö, ü und ß oder kein großes ẞ, oder die Zeichen sind nachlässig gezeichnet. Für Werbung in der mehrsprachigen Schweiz fehlen oft auch französische und italienische Akzente wie é, è oder à. Das Programm ersetzt fehlende Zeichen dann durch Glyphen aus einer anderen Schrift, was im Druck sofort auffällt. Tippen Sie vor der Schriftwahl den Testsatz „Victor jagt zwölf Boxkämpfer quer über den großen Sylter Deich“ sowie VICTOR JAGT ZWÖLF BOXKÄMPFER und betrachten Sie beides stark vergrößert.

Achten Sie bei Google Fonts auf Unterstützung des Zeichensatzes Latin bzw. Latin Extended, oder geben Sie deutschen Text in die Vorschau ein. Setzen Sie Umlautpunkte und Akzente niemals von Hand aus Punkten oder Apostrophen zusammen. Solche Buchstaben verrutschen bei jeder Textänderung.

Schriftlizenzen: Google Fonts, kostenlose und kommerzielle Fonts

Die Fonts von Google Fonts stehen überwiegend unter der SIL Open Font License (OFL), einige unter Apache 2.0. Beide erlauben die kostenlose kommerzielle Nutzung in Flyern, auf Bannern, Schildern und im Logo. Nicht erlaubt ist lediglich, die Schriftdatei selbst als eigenes Produkt zu verkaufen.

Vorsicht bei Portalen mit „Gratis-Fonts“: Viele Schriften dort tragen den Vermerk „free for personal use“, sind also nur für den privaten Gebrauch freigegeben. Werbung für ein Unternehmen ist jedoch kommerzielle Nutzung. Kommerzielle Fonts werden mit Desktop-, Web- oder App-Lizenzen angeboten. Lesen Sie vor dem Einsatz im Logo oder auf einem Verkaufsprodukt den Lizenzvertrag (EULA), denn die Bedingungen unterscheiden sich je nach Hersteller.

Text so für den Druck vorbereiten, dass sich nichts verändert

In der Druckdatei müssen die Schriften im PDF eingebettet oder in Pfade umgewandelt sein. Sonst öffnet die Druckerei das Layout womöglich mit einer Ersatzschrift, und Umlaute werden zu leeren Kästchen. Halten Sie Texte bei kleinen Formaten mindestens 3–5 mm von der Schnittkante entfernt (bei Bannern und Roll-ups entsprechend mehr). Ziehen Sie den Hintergrund 3 mm in den Beschnitt.

Drucken Sie kleinen schwarzen Text nur im K-Kanal (100 % Schwarz) und nicht in einem Vierfarbschwarz. Schon bei minimalem Passerversatz wirken die Buchstaben sonst unscharf. Wenn Sie Ihr Layout bei plakaty.shop (wielkareklama.eu studio) bestellen, werden die Texte automatisch auf Fehler geprüft. Telefonnummern, Adressen und Namen sollten Sie vor dem Druck aber trotzdem selbst gegenlesen.

Checkliste

  • Im Layout kommen höchstens 2 Schriftarten vor, die Hierarchie entsteht über Größe und Strichstärke.
  • Kontaktdaten und Fließtext sind in einer gut lesbaren serifenlosen Schrift gesetzt, die Handschrift dient nur als Akzent.
  • Der Text hat auf der Visitenkarte mindestens 7 pt und auf dem Flyer 8–9 pt, in Negativschrift mit kräftigerem Schnitt.
  • Die Buchstaben auf Banner oder Schild sind mindestens 2,5 cm hoch pro 10 m Leseabstand.
  • Umlaute und ß, auch die Großbuchstaben Ä, Ö, Ü und ẞ, werden in der gewählten Schrift korrekt dargestellt.
  • Die Schriftlizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung, und für das Logo haben Sie die EULA geprüft.
  • Die Schriften sind im PDF eingebettet oder in Pfade umgewandelt.
  • Der Text hält Abstand zur Schnittkante, und der Hintergrund hat 3 mm Beschnitt.
  • Alle Texte, Telefonnummern und Adressen wurden vor dem Druck gegengelesen.

Häufige Fragen

Welche Schrift ist auf einem Banner am besten lesbar?

Am besten eignen sich schlichte serifenlose Schriften im Bold- oder Semibold-Schnitt, etwa Montserrat, Roboto oder Open Sans. Vermeiden Sie dünne Schnitte, Handschriften und lange Slogans in Versalien. Wählen Sie die Buchstabenhöhe passend zum Abstand: mindestens ca. 2,5 cm pro 10 m.

Wie viele Schriften darf man in einer Werbung verwenden?

Höchstens zwei: eine für die Überschrift und eine für den Fließtext. Alternativ nutzen Sie eine Schriftfamilie in mehreren Strichstärken. Eine dritte Schrift stiftet meist Unruhe und erschwert das schnelle Erfassen der Botschaft.

Wie groß muss die Schrift auf einer Visitenkarte mindestens sein?

Das sichere Minimum liegt bei 7 pt, für Kontaktdaten sind 8–9 pt besser. Bei weißer Schrift auf dunklem Grund und bei Serifenschriften erhöhen Sie den Schriftgrad und wählen einen kräftigeren Schnitt. Text in 6 pt ist nach dem Druck oft kaum noch lesbar.

Darf man Google Fonts kommerziell nutzen?

Ja. Die Schriften von Google Fonts stehen unter der SIL Open Font License oder Apache 2.0. Beide erlauben die kostenlose Nutzung in Drucksachen, in der Werbung und im Logo. Untersagt ist lediglich der Verkauf der Schriftdateien selbst.

Wie prüfe ich, ob eine Schrift Umlaute und ß enthält?

Geben Sie in der Schriftvorschau den Satz „Victor jagt zwölf Boxkämpfer quer über den großen Sylter Deich“ in Klein- und Großbuchstaben ein und betrachten Sie ihn vergrößert. Wählen Sie bei Google Fonts Schriften mit Unterstützung für Latin bzw. Latin Extended. Sieht ein Buchstabe anders aus als der Rest, fehlt der Schrift der vollständige deutsche Zeichensatz.

Eignet sich eine Handschrift für Werbung?

Ja, aber nur als Akzent: für ein bis drei Wörter im Slogan oder als Unterschrift. Für Fließtext, Preise und Telefonnummern ist sie zu schlecht lesbar, besonders auf Distanz. Setzen Sie sie nicht in Versalien und kombinieren Sie sie mit einer ruhigen serifenlosen Schrift.

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