wielkareklama.eustudio
Startseite › Ratgeber › Gestaltungsregeln

Farben für Werbung und Marke wählen: Assoziationen, Kontrast, 60-30-10 und Druck

Gestaltungsregeln7 Min. Lesezeit · Aktualisiert:

Grafikertisch mit Farbfächer, Plakatdrucken in mehreren Farbpaletten und einem Monitor, der dieselben Farben bei Tageslicht zeigt.
Kurz gesagt

Wählen Sie 2–3 Markenfarben und verteilen Sie sie im Verhältnis 60-30-10: 60 % Hintergrund, 30 % Ergänzungsfarbe und 10 % Akzent für das wichtigste Element. Setzen Sie Text auf einen Hintergrund mit einem Kontrast von mindestens 4,5:1 (WCAG). Im Druck sollte die Schrift nicht kleiner als 7–8 pt sein. Legen Sie Druckdaten in CMYK an, mit 300 DPI im Maßstab 1:1 und einem Gesamtfarbauftrag von bis zu ca. 300 % auf gestrichenem Papier. Prüfen Sie die Farben an einem Probedruck, denn ein RGB-Bildschirm zeigt Farben heller und gesättigter als Papier.

Farben in der Werbung entscheiden darüber, ob Ihr Plakat, Flyer oder Firmenschild überhaupt wahrgenommen wird und ob man rechtzeitig lesen kann, was Sie anbieten. Eine Theorie zur „Farbpsychologie“ brauchen Sie dafür nicht. Einige bewährte Regeln genügen: Branchenassoziationen mit Bedacht nutzen, auf starken Kontrast achten, das Verhältnis 60-30-10 einhalten, eine einheitliche Markenpalette festlegen und wissen, dass der Druck nicht so aussieht wie der Bildschirm. Im Folgenden finden Sie diese Regeln in praktischer Form, so wie sie in einer Großformatdruckerei angewendet werden.

Welche Assoziationen wecken Farben in verschiedenen Branchen?

Farbassoziationen sind kulturelle und branchenübliche Konventionen, keine festen Gesetze der Psychologie. Blau sorgt nicht dafür, dass Kunden Ihnen vertrauen, wirkt in der Finanzbranche aber „stimmig“, weil der Wettbewerb das Publikum daran gewöhnt hat. Betrachten Sie die folgende Übersicht als Ausgangspunkt, nicht als Rezept.

Wichtiger als die Farbe selbst ist, ob Sie sich von den Betrieben nebenan abheben. Haben alle Werkstätten in Ihrer Stadt rot-schwarze Schilder, kann Marineblau mit Orange die bessere Wahl sein. Auch der Farbton zählt: Olivgrün sagt etwas anderes aus als Neon-Limette.

FarbeWo sie häufig vorkommtWorauf Sie achten sollten
BlauFinanzen, IT, Medizin, technische Dienstleistungen, Sanitärsehr verbreitet, man geht leicht in der Konkurrenz unter
GrünGartenbau, Ökologie, gesunde Ernährung, Pharmazieleuchtende Grüntöne vom Bildschirm verlieren in CMYK an Sättigung
RotGastronomie, Schlussverkauf, Automobil, Sportin großen Mengen ermüdend; im Druck kippt es leicht ins Rosa oder Ziegelrot
Gelb und OrangeBauwesen, Fast Food, Aktionen, Angebote für Kindergelber Text auf weißem Grund ist praktisch unlesbar
Schwarz und GoldMode, Luxus, gehobene GastronomieGold ist in CMYK nur Beige oder Braun; echten Glanz erzielen Sie mit Folie oder Sonderfarbe
Rosa und ViolettKosmetik, Beauty, Konditoreien, Kinderproduktekräftige Violett- und Rosatöne gibt der CMYK-Druck nur schlecht wieder

Kontrast und Lesbarkeit: Wie viel Kontrast braucht Text?

Der sicherste Maßstab ist der WCAG-Standard: Normaler Text braucht einen Kontrast von mindestens 4,5:1 zum Hintergrund, großer Text (ab ca. 18 pt oder 14 pt fett) mindestens 3:1. Diese Werte wurden für Bildschirme entwickelt, bewähren sich aber auch im Druck, wo Spiegelungen, schlechte Beleuchtung und Betrachtung im Vorbeigehen hinzukommen. Den Kontrast prüfen Sie mit einem kostenlosen Kontrastrechner, indem Sie die HEX-Codes beider Farben eingeben.

Im Kleinformatdruck sollte Fließtext nicht unter 7–8 pt liegen. Negativschrift (hell auf dunklem Grund) setzen Sie etwas größer und kräftiger, weil die Farbe feine Linien leicht „zulaufen“ lässt. Bei Bannern und Roll-ups entscheidet der Betrachtungsabstand über die Lesbarkeit. Am einfachsten drucken Sie einen Ausschnitt im Maßstab 1:1 und betrachten ihn aus der vorgesehenen Entfernung. Denken Sie auch an Menschen mit Farbsehschwäche: Vermitteln Sie Informationen nie allein über die Farbe, etwa durch Rot und Grün ohne zusätzliche Kennzeichnung.

Was besagt die 60-30-10-Regel?

Die 60-30-10-Regel stammt aus der Innenarchitektur und bringt Ordnung in die Farben jedes Entwurfs. Etwa 60 % der Fläche nimmt die dominante Farbe ein (meist der Hintergrund oder ein neutraler Ton), 30 % die Ergänzungsfarbe (Flächen, Überschriften, Illustrationen) und 10 % der Akzent, also die auffälligste Farbe. Sie ist für das reserviert, was den Blick auf sich ziehen soll: Preis, Telefonnummer, Button oder den Aufruf „Jetzt bestellen“.

Das ist ein Richtwert, keine starre Regel. Ein Konzertplakat kann zu 80 % aus einer kräftigen Farbe bestehen, eine Preisliste dagegen fast nur aus Weiß mit einem kleinen Akzent. Entscheidend ist, dass der Akzent sparsam bleibt, denn eine Farbe, die überall eingesetzt wird, hebt nichts mehr hervor.

Projekt60 % (dominant)30 % (ergänzend)10 % (Akzent)
A5-Flyer einer Pizzeriacremefarbener Hintergrunddunkles Braun in Überschriften und FotosRot bei Preis und Telefonnummer
Roll-up 85×200 cm eines IT-UnternehmensWeißMarineblau in Streifen und ÜberschriftLimette bei der Website-Adresse
A4-Speisekarte eines Cafésdunkles GrünBeige in Text und RahmenKupferton bei den Tagesgerichten
Firmenschild 120 cm einer WerkstattGraphitWeiß im FirmennamenOrange bei der Telefonnummer

Wie entwickeln Sie eine Farbpalette für Ihre Marke?

Eine Markenpalette besteht meist aus einer Hauptfarbe, ein bis zwei Ergänzungsfarben, zwei neutralen Tönen (z. B. Fast-Schwarz und Hellgrau) und eventuell einem Akzent. Mehr Farben erschweren die Einheitlichkeit zwischen Visitenkarte, Firmenschild und Social-Media-Beitrag. Halten Sie jede Farbe in mehreren Farbsystemen fest, denn Druckerei, Website und Schilderhersteller benötigen jeweils andere Angaben.

Testen Sie die Palette in der Praxis, bevor Sie sie freigeben: auf weißem und dunklem Grund, in kleinem Text und auf großer Fläche, am Bildschirm und im Druck. Wenn Sie einen Entwurf beauftragen, etwa bei plakaty.shop (wielkareklama.eu studio), tragen Sie im Formular konkrete HEX-Codes statt „Blau“ ein. So kommen die Vorschläge Ihrer Marke deutlich näher.

Farben im Druck und am Bildschirm: Warum sehen sie anders aus?

Ein Bildschirm leuchtet und mischt Licht im RGB-Modell, Papier reflektiert dagegen nur das Licht unter den CMYK-Farben. Der CMYK-Farbraum ist kleiner, deshalb wirken Neongrün, kräftiges Blau, Violett und Orange im Druck gedämpfter. Eine auf Maximum gestellte Monitorhelligkeit schraubt die Erwartungen zusätzlich hoch: Was am Bildschirm „genau richtig“ aussieht, ist auf Papier oft zu dunkel.

Legen Sie Druckdaten in CMYK mit dem von der Druckerei vorgegebenen Profil an, meist aus der FOGRA-Familie für gestrichenes oder ungestrichenes Papier. Die Farbe hängt auch vom Bedruckstoff ab: Dieselbe Datei wirkt auf glänzendem Bilderdruckpapier, Offsetpapier, PVC-Banner oder Klebefolie jeweils anders. Bestellen Sie bei wichtigen Aufträgen einen Probedruck und beurteilen Sie ihn bei Tageslicht.

MerkmalDruckBildschirm
FarbmodellCMYK (oder Pantone-Sonderfarben)RGB
Farbraumkleiner, gibt Neon- und Violetttöne schlechter wiedergrößer, Farben heller und gesättigter
Auflösung300 DPI im Maßstab 1:1 für kleine Formate; ein aus der Ferne betrachtetes Banner meist 100–150 DPI im Maßstab 1:1entscheidend ist die Pixelgröße, z. B. 1080×1080 px
Einfluss des Untergrundsgestrichenes und ungestrichenes Papier, PVC und Folie verändern den Farbtonabhängig von Kalibrierung und Helligkeit des Monitors
WeißPapierfarbe, wird nicht gedrucktleuchtendes Pixel

Schwarz, Gold und große Farbflächen: Worauf sollten Sie vor dem Druck achten?

Setzen Sie kleinen Text in reinem Schwarz mit 100 % K, denn aus vier Farben aufgebautes Schwarz erzeugt schon bei minimalem Passerversatz farbige Ränder. Große schwarze Flächen wirken dagegen in reinem K eher graphitgrau, deshalb verwendet man ein Tiefschwarz, z. B. C40 M30 Y30 K100. Halten Sie den Gesamtfarbauftrag nach den Vorgaben der Druckerei meist bei bis zu ca. 300 % auf gestrichenem Papier und darunter auf ungestrichenem.

Metallic- und Leuchtfarben gibt es im normalen CMYK nicht. Wenn Ihnen Gold oder Neon wichtig ist, fragen Sie nach Folie oder Sonderfarbe oder akzeptieren Sie eine Imitation per Farbverlauf. Große einfarbige Flächen, vor allem Grau- und Beigetöne, verraten Unterschiede zwischen Druckauflagen am schnellsten. Geben Sie der Druckerei bei Nachdrucken daher dieselbe Datei und dasselbe Material vor.

Checkliste

  • Die Palette umfasst höchstens 3–4 Farben plus neutrale Töne, und der Akzent nimmt etwa 10 % der Fläche ein
  • Der Kontrast zwischen Text und Hintergrund beträgt mindestens 4,5:1, bei großen Schriften 3:1
  • Text im Druck hat mindestens 7–8 pt, Negativschrift ist entsprechend kräftiger
  • Die Druckdatei liegt in CMYK mit dem von der Druckerei vorgegebenen Profil vor
  • Kleiner Text steht in 100 % K, große schwarze Flächen in Tiefschwarz
  • Der Gesamtfarbauftrag überschreitet das Limit der Druckerei nicht (meist ca. 300 %)
  • Die Grafik hat 3 mm Beschnitt und einen Sicherheitsabstand, und die Auflösung passt zum Format
  • Die Markenfarben stimmen mit den festgelegten HEX-, CMYK- oder Pantone-Werten überein
  • Sie haben alle Texte, Telefonnummern und Adressen vor dem Druck selbst gegengelesen

Häufige Fragen

Welche Farben eignen sich am besten für Werbung?

Die eine beste Farbe gibt es nicht. Am besten wirken kontraststarke Kombinationen, die Sie vom Wettbewerb abheben und zu den Konventionen Ihrer Branche passen. Auch das Verhältnis zählt: Ein einzelner kräftiger Akzent auf ruhigem Grund zieht den Blick stärker an als viele grelle Farben auf einmal.

Wie viele Farben sollte eine Markenpalette haben?

Meist genügen eine Hauptfarbe, ein bis zwei Ergänzungsfarben und zwei neutrale Töne, z. B. dunkles Graphit und Hellgrau. Mit einer solchen Palette bleibt Ihr Auftritt auf Visitenkarte, Firmenschild und im Internet einheitlich. Weitere Farben lohnen sich nur, wenn die Marke mehrere Produktlinien unterscheiden muss.

Warum sehen Farben im Druck anders aus als am Monitor?

Der Monitor stellt Farben mit Licht in RGB dar, der Druck verwendet CMYK-Farben mit kleinerem Farbraum. Deshalb wirken Neon- und stark gesättigte Farben im Druck gedämpfter, und ein zu hell eingestellter Monitor lässt den Druck dunkler erscheinen. Abhilfe schaffen eine CMYK-Datei mit dem richtigen Profil und ein Probedruck.

Soll ich der Druckerei Farben in RGB oder in CMYK angeben?

Geben Sie für den Druck CMYK an, bei Sonderfarbendruck die Pantone-Nummer. RGB und HEX bleiben für Website und Social Media. Haben Sie nur RGB, konvertiert die Druckerei die Datei, einzelne Farbtöne können sich dabei jedoch verändern. Prüfen Sie das Ergebnis der Konvertierung daher besser selbst.

Was bedeutet die 60-30-10-Regel in der Werbung?

Sie beschreibt die Farbverteilung in einem Entwurf: Etwa 60 % nimmt die dominante Farbe ein, 30 % die Ergänzungsfarbe und 10 % der Akzent auf den wichtigsten Elementen wie Preis oder Telefonnummer. Das verhindert Chaos und lenkt den Blick dorthin, wo Sie ihn haben möchten. Betrachten Sie die Regel als Richtwert, den Sie je nach Charakter des Projekts anpassen können.

Welcher Farbkontrast sorgt für die Lesbarkeit eines Plakats oder Banners?

Ein guter Richtwert ist ein Kontrast von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für große Schriften, berechnet mit einem Kontrastrechner anhand der HEX-Codes. Am zuverlässigsten wirkt dunkler Text auf hellem Grund oder umgekehrt, ohne farbige Hintergründe ähnlicher Helligkeit. Prüfen Sie bei Bannern zusätzlich einen im Maßstab 1:1 gedruckten Ausschnitt aus der Entfernung, aus der Passanten ihn sehen werden.

Lesen Sie auch

GestaltungsregelnEinen Flyer gestalten, der wirkt: 9 SchritteGestaltungsregelnWerbeplakat mit Fernwirkung gestalten: So bleibt Ihr Plakat auch aus der Distanz lesbarGestaltungsregelnVisitenkarte gestalten: Was muss draufstehen?BranchenWerbung für die Gastronomie: Flyer, Plakate, Speisekarten und Grafiken – Ideen und Beispiele

Alle Ratgeber →