Lesbares Design für alle: Kontrast, Schriftgröße und Barrierefreiheit
Für gute Lesbarkeit sollte der Kontrast zwischen Text und Hintergrund mindestens 4,5:1 betragen (Stufe AA nach WCAG), bei großer Schrift ab 18 pt oder ab 14 pt fett mindestens 3:1. Für Senioren und Menschen mit Sehbehinderung sollten Sie 7:1 anstreben. Im Druck setzen Sie Fließtext auf Flyern oder Speisekarten in 10–12 pt (für ältere Zielgruppen 12–14 pt), Kleingedrucktes nicht kleiner als 6–7 pt. Bei Bannern rechnen Sie mit etwa 1 cm Versalhöhe pro Meter Leseabstand.
Ein Entwurf kann noch so schön sein: Wenn Kunden die Telefonnummer auf dem Flyer oder den Preis auf der Speisekarte nicht lesen können, verpufft die Werbung. Lesbarkeit ist keine Geschmacksfrage, sondern hängt an wenigen überprüfbaren Parametern: Kontrast, Schriftgröße, Schriftart, Farben und Sprache. In diesem Ratgeber finden Sie die konkreten Richtwerte, mit denen wir Druckdaten vorbereiten, und erfahren, wie Ihr Design auch für ältere Menschen, Sehbehinderte und Menschen mit Farbsehschwäche gut funktioniert.
Welcher Kontrast zwischen Text und Hintergrund reicht aus?
Der beste Bezugspunkt sind die WCAG, der internationale Standard für barrierefreie digitale Inhalte. Der Kontrast wird als Helligkeitsverhältnis zweier Farben angegeben: von 1:1 (identische Farbe) bis 21:1 (Schwarz auf Weiß). Die WCAG wurden zwar für Websites entwickelt, die Grenzwerte bewähren sich aber auch auf Papier, denn das Auge funktioniert genauso.
Als große Schrift gelten nach WCAG Texte ab 18 pt oder ab 14 pt fett. Für sie genügt ein geringerer Kontrast, weil sich kräftigere Buchstaben leichter vom Hintergrund abheben. Kleingedrucktes, Kontaktdaten und Preise sollten Sie immer nach dem strengeren Grenzwert behandeln.
- Schwarz auf Weiß: 21:1, optimale Lesbarkeit.
- Schwarz auf Gelb: ca. 19,6:1, deshalb funktioniert diese Kombination in der Beschilderung so gut.
- Grau #767676 auf Weiß: ca. 4,5:1, das hellste Grau, das die Stufe AA noch erfüllt.
- Rot #FF0000 auf Weiß: ca. 4:1, zu wenig für kleine Schrift.
- Weiß auf Hellgelb: ca. 1,1:1, praktisch unlesbar.
| Art des Inhalts | Stufe AA (Minimum) | Stufe AAA (empfohlen für Senioren) |
|---|---|---|
| Normaler Text (unter 18 pt) | 4,5:1 | 7:1 |
| Großer Text (ab 18 pt oder 14 pt fett) | 3:1 | 4,5:1 |
| Icons, Piktogramme, Diagrammlinien | 3:1 | 3:1 |
Wie lassen sich die WCAG-Regeln auf den Druck übertragen?
Kontrastrechner arbeiten mit RGB- oder HEX-Werten, die Druckerei dagegen mit CMYK. Prüfen Sie den Kontrast daher am RGB-Gegenstück Ihrer Farben und planen Sie eine Reserve ein, denn das Ergebnis auf Papier hängt vom Bedruckstoff ab. Ungestrichenes Papier und Recyclingpapier saugen Farbe auf und dämpfen die Farben leicht: Dunkle Hintergründe wirken heller, helle Töne verlieren an Brillanz.
Kleine schwarze Schrift legen Sie als 100 % K an, ohne Beimischung anderer Farben. Ein mehrfarbiges Schwarz erzeugt bei kleinen Buchstaben schon bei minimalen Passerabweichungen farbige Säume und Unschärfe. Negativtext, also Weiß auf dunklem Grund, setzen Sie etwas größer und in einem kräftigeren Schnitt, da die Farbe des Hintergrunds feine Linien leicht zulaufen lässt.
- Setzen Sie Text nicht direkt auf ein detailreiches Foto; legen Sie eine halbtransparente Fläche darunter oder wählen Sie einen ruhigen Bildbereich.
- Lackierte oder glänzende Oberflächen spiegeln das Licht in bestimmten Winkeln; für Speisekarten und Tafeln unter Lampenlicht ist eine matte Folie die bessere Wahl.
- Vermeiden Sie bei Negativtext Serifenschriften mit feinen Strichen und Größen unter 8 pt.
- Grauer Text sollte im Druck auf weißem Papier nicht heller als etwa 60–70 % Schwarz sein; der genaue Wert hängt von Schrift und Bedruckstoff ab.
Mindestschriftgröße im Druck
Schriftgrößen werden in typografischen Punkten angegeben: 1 pt entspricht ca. 0,353 mm, 12 pt also ca. 4,2 mm Kegelhöhe. Die tatsächliche Buchstabengröße hängt jedoch von der Schriftart ab, denn bei gleicher Punktzahl haben manche Fonts deutlich höhere Kleinbuchstaben als andere. Betrachten Sie die folgenden Werte deshalb als Ausgangspunkt und beurteilen Sie immer einen Probedruck im Maßstab 1:1.
Für Lebensmitteletiketten gilt in der EU zusätzlich die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV): Pflichtangaben müssen eine x-Höhe von mindestens 1,2 mm haben, auf Verpackungen mit einer größten Oberfläche unter 80 cm² mindestens 0,9 mm.
| Produkt | Überschrift / wichtigste Information | Haupttext | Absolutes Minimum |
|---|---|---|---|
| Visitenkarte 85×55 oder 90×50 mm | Vor- und Nachname 10–14 pt | Kontaktdaten 7–9 pt | 6 pt |
| Flyer A6, A5, DL | 18–36 pt | 9–11 pt (Senioren 12 pt) | 7 pt |
| Speisekarte / Preisliste A4, A5 | Gerichte 12–16 pt | Beschreibungen 10–12 pt, Preise mind. 11 pt | 8 pt |
| Plakat A3 | 60–120 pt | 14–20 pt | 12 pt |
| Plakat A2, A1 | 100–250 pt | 20–36 pt | 16 pt |
| Urkunde A4 | Name 24–48 pt | 12–16 pt | 10 pt |
| Etikett / Anhänger | Name 10–16 pt | 7–9 pt | 6 pt |
Wie groß müssen die Buchstaben auf Banner, Roll-up und Schild sein?
Bei Großformaten zählt der Abstand, aus dem jemand den Schriftzug liest. Eine bewährte Faustregel aus der Außenwerbung lautet: ca. 1 cm Versalhöhe pro Meter komfortablem Leseabstand. Bei einer kräftigen, schlichten Schrift und hohem Kontrast dürfen Sie etwas darunter bleiben, bei einer dünnen oder verspielten Schrift brauchen Sie mehr.
Auf Banner und Roll-up gehört wenig Text: Passanten haben nur wenige Sekunden. Slogan, ein Nutzenversprechen und der Kontakt genügen, alles Weitere gehört auf den Flyer.
| Werbeträger | Typischer Leseabstand | Versalhöhe im Slogan | Buchstabenhöhe im Kontakt |
|---|---|---|---|
| Roll-up 85×200 cm | 2–5 m | 6–12 cm | 2,5–4 cm |
| Schild 100–120 cm breit | 5–15 m | 8–15 cm | 3–6 cm |
| Zaunbanner 300×100 cm | 10–20 m | 15–25 cm | 8–12 cm |
| Banner 500×100 cm an der Straße | 20–30 m | 25–35 cm | 12–18 cm |
Gestaltung für ältere und sehbehinderte Menschen
Mit zunehmendem Alter braucht das Auge mehr Licht und unterscheidet ähnliche Farbtöne schlechter; zudem vergilbt die Linse, sodass blassblaue und hellgraue Schrift mit dem Hintergrund verschwimmt. Für diese Zielgruppe sollten Sie den Haupttext auf 12–14 pt anheben und einen Kontrast von 7:1 anstreben. Das hilft auch Menschen mit Sehbehinderung und allen, die bei schwachem Licht lesen.
Die Schriftart ist ebenso wichtig wie die Größe. Wählen Sie Fonts mit offenen Formen, klar unterscheidbaren Zeichen (I, l, 1 sowie O, 0) und mittlerer Strichstärke.
- Verzichten Sie im Informationstext auf dünne Schnitte (Light, Thin), schmale (Condensed) und verspielte Schreibschriften.
- Zeilenabstand 120–150 % der Schriftgröße, bei 12 pt also ca. 14,5–18 pt.
- Linksbündiger Flattersatz statt Blocksatz, der ungleichmäßige Wortabstände erzeugt.
- Zeilenlänge ca. 45–75 Zeichen; längere Zeilen ermüden die Augen.
- Versalien nur in kurzen Slogans, nicht in Absätzen.
- Gliedern Sie die Telefonnummer in Blöcke, z. B. 0171 234 5678, und geben Sie ihr einen gut sichtbaren Platz.
Farbsehschwäche: Verlassen Sie sich nicht allein auf Farbe
Farbsehschwächen betreffen vor allem Männer; am häufigsten ist die Rot-Grün-Schwäche. Betroffene sehen durchaus Farben, doch Paare wie Rot–Grün oder Braun–Grün können nahezu gleich aussehen. Das Problem ist also nicht die Farbe an sich, sondern eine Information, die ausschließlich über Farbe vermittelt wird.
Der einfachste Test: Wandeln Sie den Entwurf in Graustufen um. Heben sich Überschrift, Preis oder Kennzeichnung weiterhin ab, ist das Design auf der sicheren Seite. Grafikprogramme bieten außerdem eine Vorschau, die Farbsehschwächen simuliert, etwa in den Einstellungen für den Farbproof.
- Setzen Sie keinen roten Text auf grünen Hintergrund und umgekehrt.
- Ergänzen Sie Kennzeichnungen in der Speisekarte (vegetarisch, scharf, glutenfrei) durch ein Icon oder eine Abkürzung, nicht nur durch Farbe.
- Heben Sie Aktionspreise zusätzlich durch Größe, Fettung oder einen Rahmen hervor.
- Versehen Sie Diagramme und Karten mit Beschriftungen, Mustern oder unterschiedlichen Markerformen.
- Sichere Kombinationen sind Dunkelblau mit Gelb sowie Blau mit Orange, sofern sich die Helligkeit deutlich unterscheidet.
Einfache Sprache und Prüfung vor dem Druck
Zur Lesbarkeit gehört auch die Sprache. Kurze Sätze, bekannte Wörter und eine zentrale Botschaft pro Werbeträger sorgen dafür, dass jeder den Text versteht, auch wer ihn nicht in seiner Muttersprache liest. Schreiben Sie aktiv: statt „Die Abwicklung der Bestellungen erfolgt …“ besser „Wir bearbeiten Ihre Bestellungen …“. Zahlen, Uhrzeiten und Preise geben Sie in Ziffern an.
Drucken Sie den Entwurf vor dem Druck im Maßstab 1:1 auf einem normalen Drucker aus und lesen Sie ihn aus dem Abstand, aus dem er später betrachtet wird. Wenn Sie Ihr Design bei plakaty.shop (wielkareklama.eu studio) bestellen, werden die Texte automatisch geprüft, Telefonnummern, Adressen und Öffnungszeiten sollten Sie aber immer selbst gegenlesen.
- Ein Gedanke pro Satz, am besten mit höchstens ca. 15 Wörtern.
- Verwenden Sie statt Fachabkürzungen vollständige, alltagssprachliche Wörter.
- Die wichtigste Information nach oben, Details darunter.
- Eine klare Handlungsaufforderung: anrufen, vorbeikommen, bestellen.
Checkliste
- Kontrast zwischen Text und Hintergrund mind. 4,5:1, bei großer Schrift mind. 3:1
- Haupttext mind. 10 pt, für Senioren 12–14 pt
- Kleine schwarze Schrift als 100 % K angelegt
- Kein Text auf unruhigen Fotobereichen
- Entwurf auch nach Umwandlung in Graustufen lesbar
- Farblich gekennzeichnete Informationen haben zusätzlich ein Icon oder eine Beschriftung
- Buchstabenhöhe auf dem Banner an den Leseabstand angepasst
- Kurze Sätze und eine zentrale Botschaft
- Alle Texte, Telefonnummern und Adressen selbst gegengelesen
Häufige Fragen
Welcher Textkontrast entspricht den WCAG?
Stufe AA verlangt einen Kontrast von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text, also ab 18 pt oder ab 14 pt fett. Stufe AAA hebt diese Werte auf 7:1 und 4,5:1 an. Im Druck lohnt sich eine Reserve, weil Papier und Farbe den Kontrast verringern können.
Wie klein darf die Schrift auf einem Flyer sein?
Den Haupttext auf einem Flyer setzen Sie in 9–11 pt, bei älteren Zielgruppen in 12 pt. Kleingedrucktes wie Aktionsbedingungen sollte nicht kleiner als 7 pt sein. Die endgültige Beurteilung treffen Sie am Probedruck im Maßstab 1:1, denn verschiedene Schriften wirken bei gleicher Größe unterschiedlich.
Wie groß müssen die Buchstaben auf einem Banner sein, damit man sie von Weitem sieht?
Rechnen Sie mit ca. 1 cm Versalhöhe pro Meter Leseabstand. Bei einem Banner, das aus 20 m gelesen wird, sollte der Slogan also etwa 20 cm hoch sein. Eine kräftige, schlichte Schrift und hoher Kontrast verbessern die Lesbarkeit stärker als reines Vergrößern der Buchstaben.
Welche Farben sollte man wegen Farbsehschwäche vermeiden?
Am riskantesten sind die Paare Rot–Grün, Grün–Braun sowie Blau–Violett bei ähnlicher Helligkeit. Entscheidend ist, dass sich die Farben in der Helligkeit unterscheiden und Informationen nicht allein über Farbe vermittelt werden. Prüfen Sie den Entwurf in Graustufen oder mit einem Simulator für Farbsehschwächen.
Welche Schrift ist für Senioren am besten lesbar?
Am besten eignen sich serifenlose oder Serifenschriften mit mittlerer Strichstärke, offenen Buchstabenformen und klar unterscheidbaren Zeichen wie I, l und 1. Vermeiden Sie dünne, schmale und verspielte Fonts. Setzen Sie den Haupttext in 12–14 pt mit einem Zeilenabstand von 120–150 %.


