wielkareklama.eustudio
Startseite › Ratgeber › Gestaltungsregeln

Lesbares Design für alle: Kontrast, Schriftgröße und Barrierefreiheit

Gestaltungsregeln7 Min. Lesezeit · Aktualisiert:

Kurz gesagt

Für gute Lesbarkeit sollte der Kontrast zwischen Text und Hintergrund mindestens 4,5:1 betragen (Stufe AA nach WCAG), bei großer Schrift ab 18 pt oder ab 14 pt fett mindestens 3:1. Für Senioren und Menschen mit Sehbehinderung sollten Sie 7:1 anstreben. Im Druck setzen Sie Fließtext auf Flyern oder Speisekarten in 10–12 pt (für ältere Zielgruppen 12–14 pt), Kleingedrucktes nicht kleiner als 6–7 pt. Bei Bannern rechnen Sie mit etwa 1 cm Versalhöhe pro Meter Leseabstand.

Ein Entwurf kann noch so schön sein: Wenn Kunden die Telefonnummer auf dem Flyer oder den Preis auf der Speisekarte nicht lesen können, verpufft die Werbung. Lesbarkeit ist keine Geschmacksfrage, sondern hängt an wenigen überprüfbaren Parametern: Kontrast, Schriftgröße, Schriftart, Farben und Sprache. In diesem Ratgeber finden Sie die konkreten Richtwerte, mit denen wir Druckdaten vorbereiten, und erfahren, wie Ihr Design auch für ältere Menschen, Sehbehinderte und Menschen mit Farbsehschwäche gut funktioniert.

Welcher Kontrast zwischen Text und Hintergrund reicht aus?

Der beste Bezugspunkt sind die WCAG, der internationale Standard für barrierefreie digitale Inhalte. Der Kontrast wird als Helligkeitsverhältnis zweier Farben angegeben: von 1:1 (identische Farbe) bis 21:1 (Schwarz auf Weiß). Die WCAG wurden zwar für Websites entwickelt, die Grenzwerte bewähren sich aber auch auf Papier, denn das Auge funktioniert genauso.

Als große Schrift gelten nach WCAG Texte ab 18 pt oder ab 14 pt fett. Für sie genügt ein geringerer Kontrast, weil sich kräftigere Buchstaben leichter vom Hintergrund abheben. Kleingedrucktes, Kontaktdaten und Preise sollten Sie immer nach dem strengeren Grenzwert behandeln.

Art des InhaltsStufe AA (Minimum)Stufe AAA (empfohlen für Senioren)
Normaler Text (unter 18 pt)4,5:17:1
Großer Text (ab 18 pt oder 14 pt fett)3:14,5:1
Icons, Piktogramme, Diagrammlinien3:13:1

Wie lassen sich die WCAG-Regeln auf den Druck übertragen?

Kontrastrechner arbeiten mit RGB- oder HEX-Werten, die Druckerei dagegen mit CMYK. Prüfen Sie den Kontrast daher am RGB-Gegenstück Ihrer Farben und planen Sie eine Reserve ein, denn das Ergebnis auf Papier hängt vom Bedruckstoff ab. Ungestrichenes Papier und Recyclingpapier saugen Farbe auf und dämpfen die Farben leicht: Dunkle Hintergründe wirken heller, helle Töne verlieren an Brillanz.

Kleine schwarze Schrift legen Sie als 100 % K an, ohne Beimischung anderer Farben. Ein mehrfarbiges Schwarz erzeugt bei kleinen Buchstaben schon bei minimalen Passerabweichungen farbige Säume und Unschärfe. Negativtext, also Weiß auf dunklem Grund, setzen Sie etwas größer und in einem kräftigeren Schnitt, da die Farbe des Hintergrunds feine Linien leicht zulaufen lässt.

Mindestschriftgröße im Druck

Schriftgrößen werden in typografischen Punkten angegeben: 1 pt entspricht ca. 0,353 mm, 12 pt also ca. 4,2 mm Kegelhöhe. Die tatsächliche Buchstabengröße hängt jedoch von der Schriftart ab, denn bei gleicher Punktzahl haben manche Fonts deutlich höhere Kleinbuchstaben als andere. Betrachten Sie die folgenden Werte deshalb als Ausgangspunkt und beurteilen Sie immer einen Probedruck im Maßstab 1:1.

Für Lebensmitteletiketten gilt in der EU zusätzlich die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV): Pflichtangaben müssen eine x-Höhe von mindestens 1,2 mm haben, auf Verpackungen mit einer größten Oberfläche unter 80 cm² mindestens 0,9 mm.

ProduktÜberschrift / wichtigste InformationHaupttextAbsolutes Minimum
Visitenkarte 85×55 oder 90×50 mmVor- und Nachname 10–14 ptKontaktdaten 7–9 pt6 pt
Flyer A6, A5, DL18–36 pt9–11 pt (Senioren 12 pt)7 pt
Speisekarte / Preisliste A4, A5Gerichte 12–16 ptBeschreibungen 10–12 pt, Preise mind. 11 pt8 pt
Plakat A360–120 pt14–20 pt12 pt
Plakat A2, A1100–250 pt20–36 pt16 pt
Urkunde A4Name 24–48 pt12–16 pt10 pt
Etikett / AnhängerName 10–16 pt7–9 pt6 pt

Wie groß müssen die Buchstaben auf Banner, Roll-up und Schild sein?

Bei Großformaten zählt der Abstand, aus dem jemand den Schriftzug liest. Eine bewährte Faustregel aus der Außenwerbung lautet: ca. 1 cm Versalhöhe pro Meter komfortablem Leseabstand. Bei einer kräftigen, schlichten Schrift und hohem Kontrast dürfen Sie etwas darunter bleiben, bei einer dünnen oder verspielten Schrift brauchen Sie mehr.

Auf Banner und Roll-up gehört wenig Text: Passanten haben nur wenige Sekunden. Slogan, ein Nutzenversprechen und der Kontakt genügen, alles Weitere gehört auf den Flyer.

WerbeträgerTypischer LeseabstandVersalhöhe im SloganBuchstabenhöhe im Kontakt
Roll-up 85×200 cm2–5 m6–12 cm2,5–4 cm
Schild 100–120 cm breit5–15 m8–15 cm3–6 cm
Zaunbanner 300×100 cm10–20 m15–25 cm8–12 cm
Banner 500×100 cm an der Straße20–30 m25–35 cm12–18 cm

Gestaltung für ältere und sehbehinderte Menschen

Mit zunehmendem Alter braucht das Auge mehr Licht und unterscheidet ähnliche Farbtöne schlechter; zudem vergilbt die Linse, sodass blassblaue und hellgraue Schrift mit dem Hintergrund verschwimmt. Für diese Zielgruppe sollten Sie den Haupttext auf 12–14 pt anheben und einen Kontrast von 7:1 anstreben. Das hilft auch Menschen mit Sehbehinderung und allen, die bei schwachem Licht lesen.

Die Schriftart ist ebenso wichtig wie die Größe. Wählen Sie Fonts mit offenen Formen, klar unterscheidbaren Zeichen (I, l, 1 sowie O, 0) und mittlerer Strichstärke.

Farbsehschwäche: Verlassen Sie sich nicht allein auf Farbe

Farbsehschwächen betreffen vor allem Männer; am häufigsten ist die Rot-Grün-Schwäche. Betroffene sehen durchaus Farben, doch Paare wie Rot–Grün oder Braun–Grün können nahezu gleich aussehen. Das Problem ist also nicht die Farbe an sich, sondern eine Information, die ausschließlich über Farbe vermittelt wird.

Der einfachste Test: Wandeln Sie den Entwurf in Graustufen um. Heben sich Überschrift, Preis oder Kennzeichnung weiterhin ab, ist das Design auf der sicheren Seite. Grafikprogramme bieten außerdem eine Vorschau, die Farbsehschwächen simuliert, etwa in den Einstellungen für den Farbproof.

Einfache Sprache und Prüfung vor dem Druck

Zur Lesbarkeit gehört auch die Sprache. Kurze Sätze, bekannte Wörter und eine zentrale Botschaft pro Werbeträger sorgen dafür, dass jeder den Text versteht, auch wer ihn nicht in seiner Muttersprache liest. Schreiben Sie aktiv: statt „Die Abwicklung der Bestellungen erfolgt …“ besser „Wir bearbeiten Ihre Bestellungen …“. Zahlen, Uhrzeiten und Preise geben Sie in Ziffern an.

Drucken Sie den Entwurf vor dem Druck im Maßstab 1:1 auf einem normalen Drucker aus und lesen Sie ihn aus dem Abstand, aus dem er später betrachtet wird. Wenn Sie Ihr Design bei plakaty.shop (wielkareklama.eu studio) bestellen, werden die Texte automatisch geprüft, Telefonnummern, Adressen und Öffnungszeiten sollten Sie aber immer selbst gegenlesen.

Checkliste

  • Kontrast zwischen Text und Hintergrund mind. 4,5:1, bei großer Schrift mind. 3:1
  • Haupttext mind. 10 pt, für Senioren 12–14 pt
  • Kleine schwarze Schrift als 100 % K angelegt
  • Kein Text auf unruhigen Fotobereichen
  • Entwurf auch nach Umwandlung in Graustufen lesbar
  • Farblich gekennzeichnete Informationen haben zusätzlich ein Icon oder eine Beschriftung
  • Buchstabenhöhe auf dem Banner an den Leseabstand angepasst
  • Kurze Sätze und eine zentrale Botschaft
  • Alle Texte, Telefonnummern und Adressen selbst gegengelesen

Häufige Fragen

Welcher Textkontrast entspricht den WCAG?

Stufe AA verlangt einen Kontrast von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text, also ab 18 pt oder ab 14 pt fett. Stufe AAA hebt diese Werte auf 7:1 und 4,5:1 an. Im Druck lohnt sich eine Reserve, weil Papier und Farbe den Kontrast verringern können.

Wie klein darf die Schrift auf einem Flyer sein?

Den Haupttext auf einem Flyer setzen Sie in 9–11 pt, bei älteren Zielgruppen in 12 pt. Kleingedrucktes wie Aktionsbedingungen sollte nicht kleiner als 7 pt sein. Die endgültige Beurteilung treffen Sie am Probedruck im Maßstab 1:1, denn verschiedene Schriften wirken bei gleicher Größe unterschiedlich.

Wie groß müssen die Buchstaben auf einem Banner sein, damit man sie von Weitem sieht?

Rechnen Sie mit ca. 1 cm Versalhöhe pro Meter Leseabstand. Bei einem Banner, das aus 20 m gelesen wird, sollte der Slogan also etwa 20 cm hoch sein. Eine kräftige, schlichte Schrift und hoher Kontrast verbessern die Lesbarkeit stärker als reines Vergrößern der Buchstaben.

Welche Farben sollte man wegen Farbsehschwäche vermeiden?

Am riskantesten sind die Paare Rot–Grün, Grün–Braun sowie Blau–Violett bei ähnlicher Helligkeit. Entscheidend ist, dass sich die Farben in der Helligkeit unterscheiden und Informationen nicht allein über Farbe vermittelt werden. Prüfen Sie den Entwurf in Graustufen oder mit einem Simulator für Farbsehschwächen.

Welche Schrift ist für Senioren am besten lesbar?

Am besten eignen sich serifenlose oder Serifenschriften mit mittlerer Strichstärke, offenen Buchstabenformen und klar unterscheidbaren Zeichen wie I, l und 1. Vermeiden Sie dünne, schmale und verspielte Fonts. Setzen Sie den Haupttext in 12–14 pt mit einem Zeilenabstand von 120–150 %.

Lesen Sie auch

GestaltungsregelnEinen Flyer gestalten, der wirkt: 9 SchritteGestaltungsregelnWerbeplakat mit Fernwirkung gestalten: So bleibt Ihr Plakat auch aus der Distanz lesbarGestaltungsregelnVisitenkarte gestalten: Was muss draufstehen?BranchenWerbung für die Gastronomie: Flyer, Plakate, Speisekarten und Grafiken – Ideen und Beispiele

Alle Ratgeber →